Mit der Royal Enfield zum Himalaya

Tag 1:
Wir starten in Delhi.
Gemeinsam mit Autos, anderen Motorrädern, Fahrrädern, Fußgängern, Ochsenkarren, Kühen, Schweinen, Hunden usw. bahnen wir uns unseren Weg.
Bis wir die Ringstraße erreicht und Delhi verlassen haben, vergehen etwa zwei Stunden, in denen wir von einem Pulk anderer Verkehrsteilnehmer durch die Stadt geschoben werden.

Auf dem National Highway können wir endlich ein bisschen mehr Gas geben und die Enfields so richtig schön blubbern lassen. So einen genialen Klang, wie den der Royal Enfields habt ihr noch nicht gehört! Da macht schon das Zuhören Spaß. Und man erkennt sofort, wenn draußen eine Enfield vorbei fährt.

Wir fahren und fahren, eigentlich nur auf dem Highway, aber auch das ist hier in Indien ein ganz anderes Erlebnis, als in Deutschland. Dass man auf dem Highway fährt, ist hier keine Garantie für saubere oder einwandfreie Straßen.
Die Richtungen sind in der Mitte durch eine kleine Mauer oder Ähnliches getrennt und alle paar Kilometer gibt es einen Durchgang. Es kann aber trotzdem vorkommen, dass man auf der eigenen Spur Gegenverkehr hat oder wegen einer Sperrung auf der anderen Straßenseite fahren muss.
Als die Dämmerung herein bricht, halten wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau, können aber von der Straße aus nichts entdecken und möchten auch ungern unsere Route verlassen.
Nachdem wir so schon eine Weile durch die Dunkelheit gefahren sind, tut sich neben der Straße ein Polizeiposten auf, an dem wir anhalten. Obwohl wir nur nach einem Hotel oder Ähnlichem fragen wollen, werden wir von den Polizisten zum Tee eingeladen, lehnen aber dankend ab. Wir sind wirklich müde und möchten nicht mehr lange im Dunkeln fahren.
Also wird uns versichert, dass bald ein paar Hotels neben dem Highway auftauchen werden und wir fahren weiter.
Nachdem wir den Ganges überquert haben, ist es auch bald soweit. Die Umgebung, die vorher menschenleer wirkte, wird trotz der späten Stunde etwas belebter und tatsächlich können wir am Straßenrand einige Hotels ausmachen. Wir entscheiden uns für eines, das sich später nicht als beste Wahl herausstellt, aber immerhin bekommen wir ein Zimmer und etwas zu essen.
Als wir im Zimmer ankommen und es ein wenig inspizieren, fällt mir ein Gecko über dem Fenster auf. Ich frage mich laut, ob der wohl echt oder nur Dekoration ist, woraufhin Kevin ihn sich genauer ansieht und für Dekoration hält. Als ich jedoch das nächste Mal hinsehe, ist das Tierchen verschwunden.

Tag 2:
Vom „Hotel Paradise“ geht es erst mal wieder auf den Highway.
Das ist das Einfachste, bis wir die Berge erreicht haben.
Irgendwann verlassen wir den Highway allerdings und erreichen ein kleines Dorf.
Dort scheinen wir eine große Attraktion zu sein. Man sieht uns wohl an der aufwändigen Kombi und unserem Gepäck an, dass wir keine Einheimischen sind. Immer wieder bleiben Menschen stehen, um uns zu beobachten.
Die Hauptstraße, die hier von einem Ort zum nächsten führt, ist nicht befestigt. Anfangs ist sie zumindest noch eben, aber auch das hat sich bald erledigt.
Wir können nur noch maximal 20 km/h fahren und werden dabei von einem Schlagloch ins nächste geworfen. Dabei wirbeln wir und die anderen Fahrer so viel Staub auf, dass ich mein Visier runter klappen und mich konzentrieren muss, um Kevin nicht aus den Augen zu verlieren.
Ich bin froh, dass die Enfields so gute Federung haben.
Außer dass ich ein, zwei Mal aufsetze, gibt es keine größeren Probleme mit den Motorrädern.
Als diese Straße, die eher einer Offroad-Strecke gleicht, endet, haben wir auch bald unser Tagespensum erreicht.
Wir fahren noch ein Stück auf der jetzt wieder geteerten Straße und kommen an ein Hotel mit dem Namen „Blue Heaven“.
Als wir auf den „Parkplatz“ fahren, kommt gleich jemand auf uns zu und erklärt uns, sie hätten noch nicht geöffnet. Gut, sagen wir, dann warten wir eben noch die ein, zwei Stunden, bis sie auf machen.
Bis uns dann klar wird, dass das Hotel noch gar nicht eröffnet wurde, vergehen ein paar Minuten.
Nach einem kleinen Gespräch bittet man uns allerdings trotzdem herein und bietet uns ein Zimmer an. Der Betreiber, ein kleiner älterer Herr mit Turban, entschuldigt sich für etwaige Unannehmlichkeiten und dafür, dass sie uns kein Essen anbieten können, da wir die ersten Gäste sind, die dieses Hotel jemals betreten.
Das sieht man unserem Zimmer im positiven Sinne an.
Alles ist sauber und neu, wir können uns unbesorgt ins Bett legen und auch warmes Wasser ist unbegrenzt verfügbar.
Als wir grade erschöpft aus Bett sinken, kommen ein paar Männer und bringen uns einen kleinen edlen Holztisch, sowie passende Stühle und eine Flasche Wasser. Man ist sehr bemüht, unseren leider nur kurzen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, was auch durchaus gelingt.

-FORTSETZUNG FOLGT-

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