Märchenstadt Dalat

Nach der sengenden Hitze in Mui Ne und vor allem bei dem Sanddünen, haben wir uns über die etwas (die Betonung liegt hier auf „etwas“) kühleren Temperaturen in der märchenhaften Blumenstadt Dalat gefreut.
Dort wurden wir super lieb von Lou in seinem Homestay begrüßt.
Lou ist wirklich ein toller Mensch.
Jeden Morgen hat er Frühstück für alle gemacht, mit traditionellem vietnamesischem Kaffee und jeden Abend Abendessen, welches dann alle gemeinsam in seiner Küche eingenommen haben. Dabei waren wir maximal zu acht. Es war also auch alles eine sehr persönliche und familiäre Sache.
Dabei entstanden zum Beispiel Gespräche über die verschiedenen Kulturen, die sich an dem runden Tisch versammelt hatten.
Außerdem hat Lou alle Sehenswürdigkeiten in eine Karte eingetragen und uns dann zwei Touren erstellt, die wir mit dem Roller abfahren konnten.
Die erste Tour musste ich alleine machen, da es Kevin nicht so gut ging.
Nachdem ich erstmal an meiner nicht vorhandenen Fähigkeit, Google Maps zu verstehen verzweifelt bin, hab ich es irgendwie doch geschafft, eine Tankstelle zu finden und mich danach so weit orientieren können, dass ich mit Hilfe von zwei unterschiedlichen Karten und dem GPS meines Handys die Plätze ansteuern konnte, die mich interessiert haben
Da wäre zum ersten Mal das Crazy House, auf das ich mich schon seit Langem gefreut habe.

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Ein Meer aus Blumen beim Crazy House

Es ist eigentlich eine Art Hotel mit ungefähr sechs Zimmer, vielleicht ein bisschen mehr, die hier und da in der Anlage versteckt sind. Das Gelände kann man für einen geringen Eintrittspreis auch zu Sightseeingzwecken betreten, was sich für mich definitiv gelohnt hat.

Eines der Zimmer im Crazy House
Eines der Zimmer im Crazy House

Es gibt nicht viel zu tun, man kann lediglich durchlaufen, aber dafür umso mehr zu sehen. Am Besten schaut ihr euch einfach die Bilder an.
Ich jedenfalls hab mich gefühlt wie Alice im Wunderland.

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Hier kann man den Leuten auf’s Dach steigen
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Hereinspaziert, ins Crazy House!
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Auf schmalen Stufen über den Dächern Dalat’s
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Ein Garten wie Alice’s Wunderland

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Danach ging es für mich weiter zum alten Bahnhof.
Der ist recht klein, aber schön und bietet ein paar nette Fotomotive.
Neben dem Bahnsteig steht ein alter Waggon, der zu einem schicken Café umgebaut wurde, aus dem die Musik der Backstreet Boys dudelte.

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Der alte Bahnhof von Dalat

Weiter vorne wurde zu Besichtigungszwecken eine alte Dampflok ausgestellt, die die meiste Zeit von Selfie knipsenden Asiatinnen belagert war.

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Die alte Lok
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Alte Waggongs
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Der alte Bahnhof von vorne

Nach dem alten Bahnhof hab ich mich auf den Weg gemacht zum goldenen Buddha. Ein Wahnsinnsteil, das sich riesig vor dem immer dunkler werdenden Himmel erhob.

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Der goldene Buddha in Dalat
Nochmal zum Größenvergleich, mit Mensch im Vordergrund
Nochmal zum Größenvergleich, mit Mensch im Vordergrund

Den dazugehörigen Tempel konnte ich leider nicht von innen fotografieren, aber er war nicht weniger beeindruckend. In Vietnam findet man neben den französischen Einflüssen aus der Kolonialzeit auch, gerade an Tempeln, einen starken chinesischen Einfluss, wie ich finde.

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Chinesisch angehauchter Brunnen beim goldenen Buddha
Chinesischer Drache, aus Holz geschnitzt
Chinesischer Drache, aus Holz geschnitzt

Die Buddhastatue im Tempel war umringt von detailliert ausgearbeiteten, blauen Drachen und auch der Außenbereich war ähnlich gestaltet.

Während der Umrundung des Sees in Dalat hab ich noch ein paar lustige Sachen entdeckt, wie zum Beispiel diese Cinderellakutsche,
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ein doch sehr französisch anmutendes Haus,
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die „Cock-Church“,
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dieses vielstöckige Gebäude
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und ein paar Halbinseln auf dem See.
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Am nächsten Tag haben wir uns zu zweit auf die Suche nach dem Tiger-Wasserfall gemacht, der laut Lou „verlassen“ sei. Ich konnte mir zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz vorstellen, wie ein Wasserfall verlassen sein könnte und wie sich das äußern würde, allerdings wurde das immer deutlicher, je näher wir dem Wasserfall kamen.
Der Weg dorthin war, nachdem wir die geteerte Straße hinter uns gelassen hatten, schrecklich. Zumindest wenn man nicht gerade mit einem offroadtauglichen Fahrzeug gesegnet ist, sondern mit einem Roller, der schon auf normalen Straßen fast unter der Belastung von Schlaglöchern zusammen bricht.
Wir haben uns mit dem Fahren (oder soll ich besser „holpern“ sagen?) abgewechselt und so das Gefährt, dessen Motor immer wieder ausgegangen ist, irgendwie durch den Wald gelenkt.
Als wir schon dachten, wir seien auf dem falschen Weg, erschien über der Straße ein vermodertes Schild, welches uns willkommen hieß, und das herunter gekommene Wärterhäuschen hatte wohl auch schon länger niemand mehr betreten.
Abenteuerlustig wie wir sind, folgten wir der nun wieder befestigten Straße, die auf einmal relativ schnell relativ steil wurde und zu diesem Zeitpunkt begann ich, mich zu fragen, ob wir diese Straße mit diesem Roller jemals wieder hoch kommen würden.
Auch dieser Weg schlängelt sich gefühlt endlos durch den Wald, bevor er uns auf einer Art Lichtung ausspuckte, wo wir tatsächlich auf einen anderen Menschen trafen. Der knüpfte uns Parkgebühren ab. Echt jetzt.
Am Ende des „Parkplatzes“ befand sich ein Restaurant, oder zumindest wirkte es, als wäre es mal eins gewesen.
Auf dem Weg zum Wasserfall blickte uns eine überlebensgroße, graue (da verwitterte) Tigerfigur entgegen und den Weg säumten Brandspuren, sowie verbrannte Pflanzenreste. Hier und da kroch sogar noch ein wenig Rauch aus der Asche.

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Der Verwitterungsprozess, der die kleine Holzhütte ergriffen hatte, vervollständigte die mysthische Stimmung.

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Verlassene Holzhütte am Tiger Wasserfall

Als wir die vielen Stufen hinter uns gelassen hatten, empfing uns ungeachtet dessen, was oben passiert sein muss, eine friedliche, fast schon abgeschottete Atmosphäre.

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Der perfekte Ort, um die Augen zu schließen und den Geräuschen der Natur zu lauschen. Für den restichen Tag. Oder die restliche Woche.

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Würden da nicht die dunklen Wolken am Himmel und der stärker werdende Wind ein aufziehendes Gewitter ankündigen.
Kevin ist schon wieder auf dem Weg Richtung Roller, aber ich kann es nicht lassen, zu erforschen, wo die zerfallene Hängebrücke am oberen Ansatz des Wasserfalls, ihren Ursprung hat.
Auf meiner von Donnergrollen begleiteten Suche entdecke ich ein verrostetes Schild. So verrostet, dass ich kein Wort mehr lesen kann.

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Schild am Tiger Waterfall

Egal, weiter. Vorbei an einer Indianerstatue und um die Ecke, wo mir weitere Tigerfiguren einen gehörigen Schreck einjagen, als sie da unter dem immer dunkler werdenden Himmel auf einmal vor mir stehen.

Indianerstatue am Tiger Waterfall
Indianerstatue am Tiger Waterfall
Tiger Waterfall
Tiger Waterfall

Aber hier hat auch die Hängebrücke ihren Urpsrung. Zu gerne hätte ich versucht, sie zu überqueren, um mir auf der anderen Seite einen Weg durch den verlassenen Park zu schlagen, doch da hörte ich Kevin zum wiederholten Mal nach mir rufen. Schweren Herzens verabschiedete ich mich von diesem Abenteuer und kehrte zu Kevin zurück, um mit ihm den Rückweg anzutreten.

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Zerfallene Hängebrücke

Durch den aufbrausenden Wind tuckerten wir auf unserem Roller den Berg hoch, aber das Vergnügen war nicht von langer Dauer. Schon bei der ersten deutlichen Steigung kapitulierte die Klapperkiste und ich musste absteigen.
Jetzt stellt euch mal folgende Szene vor: Wir spüren, dass das Gewitter über uns jeden Moment losbrechen kann, aber der Roller tut nicht mehr richtig, sodass Kevin in sehr schnellem Schritttempo alleine fährt und ich nebenher rennen muss. Bergauf. Über eine Straße, um die sich seit Jahren niemand mehr gekümmert hat.
Irgendwie haben wir es dann bis nach oben geschafft, zeitgleich trafen uns die ersten Regentropfen. Wir tapferen, unwissenden Touristen haben nur unsere Wertsachen unter den Sitz gepackt und sind weiter gefahren, nicht wissend, dass die mitleidigen Blicke der Einheimischen durchaus ihre Berechtigung hatten.
Wenige Minuten später waren wir klatschnass. Nachdem wir die Plätze getauscht hatten, ich aber wegen dem dichten Regen dann auch nichts mehr sehen konnte, hab ich einfach an der nächsten Möglichkeit angehalten, sodass wir uns unterstellen konnten. In dem Café spielten ein paar ältere Männer Chinesisches Schach und ein anderer hat sofort Tee und Taschentücher zum Abtrocknen für uns bestellt und uns dann noch auf einen Kaffee eingeladen. Dafür wollte er nichts weiter, als sich ein wenig mit uns zu unterhalten. Auf unsere Nachfrage hin, hat er ehrlich geantwortet, dass er keine Ahnung habe, wann der Regen wieder aufhöre. Als der Himmel aber nach einer Weile wieder heller und der Regen schwächer wurde,versicherte man uns, dass wir es jetzt auf jeden Fall wagen könnten, die Fahrt wieder aufzunehmen. So verabschiedeten wir uns und konnten sicher ins Hostel zurück kehren.

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