Höhlen, Tubing, Tonkrüge und Fremdschämen

Ich fang mal mit den Tonkrügen an.

In Phonsavanh gibt es drei „Ebenen“ mit Tonkrügen, die sich in ihrer Größe und ihrer Bekanntheit unterscheiden.

Die meisten geführten Touren besuchen Feld 1, weshalb wir uns entschieden haben, mit Feld 3 anzufangen, in der Hoffnung, möglichst wenig anderen Touristen zu begegnen. Und siehe da, der Plan ging auf.

Genau genommen waren wir, nachdem wir kilometerlang durch kleine, ursprüngliche Dörfer und wunderschöne Landschaften gegurkt sind, die einzigen Besucher überhaupt. Umso mehr schien sich der Verantwortliche über unseren Besuch zu freuen. Wir stellten also den Roller ab, bezahlten einen verschwindend geringen Betrag Eintritt und dann ging es zu Fuß weiter.

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Über eine schmale Brücke, durch trockene Reisfelder, vorbei an grasenden Wasserbüffeln und alten Bombenkratern, und dann entdeckten wir die ersten Tonkrüge.

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Sie sind eingezäunt, und man darf sich nur auf den markierten Wegen aufhalten, um sicher zu stellen, dass kein Tourist aus Versehen und unfreiwillig eine vergessene Bombe aus dem Vietnamkrieg entdeckt. Generell wurden die Felder und Gebiete aber gründlich geräumt, sodass man sich da keine Sorgen machen muss.

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Dieses recht kleine Feld voller mannshoher Steinkrüge ist mit vielen Bäumen bewachsen, die angenehmen Schatten spenden, und umgeben von nichts als Kuhweiden und Wiesen. Es würde sich wunderbar dazu eignen, einen historischen Film zu drehen. Oder mal wieder den ganzen Tag hier zu verbringen, da es ungaublich ruhig und abgelegen ist, und es wirklich nichts gibt, was die Idylle stört. Außerdem macht es Spaß, viele verschiedene Fotos von und mit den Krügen zu schießen.

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Woher und wie diese Krüge hier her kommen und was ihr Nutzen war, weiß noch niemand so richtig. Auf einem der Krüge wurde eine Zeichnung gefunden, die einen Menschen darstellt, weshalb manche Forscher davon ausgehen, dass die Krüge als eine Art Urne benutzt wurden. Andere Forscher sind der Meinung, die Krüge dienten zur Aufbewahrung von beispielsweise Lebensmitteln. Einig sind sie sich jedenfalls nicht und auf die Frage, wie diese riesigen Krüge hier überhaupt hin gekommen sind, hat niemand eine Antwort.

Nachdem wir auf Feld 3 die Ruhe genossen und zum Ausgangspunkt zurück gekehrt waren, machten wir der Restaurantbesitzerin dort noch einen Gefallen und bestellten was zu trinken. Sie bot uns auch ihre Nudelsuppe an, aber Mittagessen war erst für später geplant. Vorher wollten wir noch zu einem nahe gelegenen Wasserfall, was wir der Frau auch mitteilten. Sie erklärte uns daraufhin, dass der Wasserfall momentan aufgrund der Hitze kein Wasser führe und so entschieden wir uns, doch gleich eine Nudelsuppe zu essen und den Wasserfall auszulassen. Das Trinkgeld, das wir ihr am Ende überlassen wollten, wollte sie nicht einfach so annehmen und hat uns stattdessen im Gegenzug zwei kleine Tüten Erdnussriegel geschenkt. Das war mal wieder eine sehr nette zwischenmenschliche Erfahrung.

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Das laotische Restaurant

Zu guter Letzt haben wir dann doch noch Feld 1 besucht. Dort haben wir, wie erwartet, eine laute asiatische Reisegruppe angetroffen, aber durch die Größe des Feldes hat sich das trotzdem ganz gut verlaufen. Die Krüge sehen hier genauso aus, wie auf dem anderen Feld, sie sind nur etwas weitläufiger verteilt und teilweise noch mit Deckeln ausgestattet. Allerdings sieht man außenrum auch die Spuren menschlicher Zivilisation, was dem ganzen ein wenig die Idylle nimmt.

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Tonkrug mit Deckel
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Geschliffener Deckel eines Tonkruges

Am nächsten Tag ging es für uns weiter nach Vangvieng. Bekannt als die Partyhochburg von Laos, aber uns hat eher die Natur gelockt, die diese Stadt umgibt. Die Regierung hat hier wohl schon mehrmals mit der Schließung bestimmter Lokalitäten und strikt vorgegebenen Öffnungszeiten durchgegriffen, um den Drogenkonsum und die sich ausbreitende Feierkultur etwas einzudämmen. Wir waren in der Nebensaison hier und ich möchte wirklich nicht wissen, wie es dann erst in der Hauptsaison aussieht.

Im Stadtzentrum, wo sich auch der größte Teil der Partymeute aufhält, ist überall deutlich gemacht, dass man aus Respekt vor den Einheimischen und ihrer Kultur nicht in Badesachen, sondern sittlich gekleidet sein soll. Und wie laufen die besagten Partytouristen rum? Ich sag mal so: Der Badeanzug des einen Mädchens hat noch viel Haut bedeckt, im Gegensatz zu den Outfits ihrer Freundinnen.

Aber auch das Verhalten eben dieser Personen lässt zu wünschen übrig. Im Leben nicht würde es mir einfallen, dem Kellner aus einer Laune heraus die Speisekarte vor die Füße zu schmeißen, nachdem ich ihm lauthals entgegengebrüllt habe, was ich essen will. Ein derartiges Verhalten macht mich wirklich traurig, vor allem, weil die Menschen hier etwas besseres verdient haben. Trotz pöbelner und respektloser Touristen bewahren sie ihre Freundlichkeit und ihr Lächeln jedem gegenüber. Und ich finde, man sollte sich über Gepflogenheiten und Kultur eines Landes informieren, bevor man es betritt. Andererseits wäre das oben genannte Verhalten in keinem Land angemessen und hat somit nichts mit Unwissenheit, sondern einfach nur mit purer Ignoranz und Respektlosigkeit zu tun. Aber ich werde diesen Absatz jetzt beenden, bevor ich ausfällig werde, da mich ein solches Verhalten einfach nur ankotzt.

Wir haben also versucht, den Kontakt zur beschriebenen Personengruppe möglichst gering zu halten, indem wir eher früh morgens als spät abends in der Stadt unterwegs waren, und auf das hier so beliebte „Tubing“ auf dem Fluss verzichtet haben. Dieses Tubing besteht nämlich darin, sich oberhalb der Stadt in einen LKW-Reifen zu legen, sich flussabwärts von einer Bar zur nächsten treiben und dabei gnadenlos vollaufen zu lassen. Hierbei sind in den vergangenen Jahren schon Touristen ertrunken, aber nicht, weil der Fluss so reißend ist (das ist er wirklich nicht), sondern weil sie schlicht und einfach zu besoffen waren.

Einen Abend haben wir dann aber doch draußen verbracht und sind dabei in einer, nunja, recht interessanten Bar gelandet. Wir hatten Ausschau gehalten nach einem eher ruhigeren Ort und dabei fiel uns die Reggae-Bar auf, die gemütlich aussah und eben Reggae gespielt hat. Vielleicht könnt ihr euch schon denken, wie es weiter geht, aber wir waren zu diesem Zeitpunkt noch völlig ahnungslos, haben uns hingesetzt und nicht schlecht über die Karte gestaunt. Diese beinhaltete beispielsweise fertig gedrehte Joints, Pizzen mit Magic Mushrooms, Opium-Tee und MDMA. Wir haben es dann doch lieber nur bei einer Cola belassen.

Tagsüber haben wir eine kleine selbst organisierte Höhlentour gestartet. Eigentlich wollten wir zur Loophöhle, in der man sich in diesen LKW-Reifen an Seilen durch die dunkle Höhle zieht. Wir sind aber erstmal falsch abgebogen und bei einer völlig anderen Höhle angekommen. Dort war absolut niemand, bis auf die Dame, die den Eintritt kassiert und uns mit Stirnlampen ausgestattet hat. Die Stirnlampen waren auch wirklich nötig, denn die Höhle war absolut dunkel. Und feucht. Hier und da befand sich eine Bambusleiter oder ein Zaun. Ansonsten teilten wir uns die Höhle lediglich mit Fledermäusen.  Hin und wieder hörte man einen Wassertropfen runter fallen oder eine Fledermaus quietschen.

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Glitzernde Tropfsteine in der dunklen Höhle
Glitzer überall!
Glitzer überall!
Lammellenartige Gebilde, die von der Höhlendecke hängen
Lammellenartige Gebilde, die von der Höhlendecke hängen

Anfangs konnten wir aufrecht laufend zwei Hallen durchqueren, aber schon bald mussten wir uns durch einen schmalen Gang ducken, bis zu einer Stelle, an der es nur noch kriechend weiter ging. Ich war zuerst etwas skeptisch, aber nachdem Kevin ohne Probleme durch gepasst hat, hab ich mich hinterher getraut. Auf der anderen Seite empfing uns nach kurzem Krabbeln wieder eine Halle, mit glitzernden Steinen und einem interessanten Muster an den Wänden, das wohl durch Wasser entstanden sein muss.

Seltsame Dellen in der Höhlenwand
Seltsame Dellen in der Höhlenwand
Risse im Höhlenboden
Risse im Höhlenboden

Hier haben wir uns noch ein wenig umgesehen, bevor wir wieder zurück gekrochen bzw gelaufen sind. Zum Schluss haben wir noch die Fledermäuse beobachtet, aber wir wollten sie nicht ärgern oder durch unser Licht stören, weshalb wir die Höhle dann bald wieder verlassen haben. Als wir draußen ankamen, waren wir dreckig und nass, weil in der Höhle eine unglaublich hohe Luftfeuchtigkeit herrschte. Vorne am Weg angekommen, bemerkten wir ein paar Männer, die in dem Unterstand saßen, bei dem wir unseren Roller abgestellt hatten. Als wir näher kamen, begrüßten sie uns freundlich und zeigten uns, was sie gerade machten. Sie hatten Bienenwaben gesammelt, um an den Honig zu gelangen. Nachdem ich ein Foto der Waben gemacht hatte, brachen sie zwei Stückchen ab und gaben sie uns, um den Honig heraus zu saugen. So frischen Honig habt ihr bestimmt noch nie probiert! Wir unterhielten uns noch kurz in einfachstem Englisch, bis sie sich lachend und mit den Worten „You are lucky today!“ von uns verabschiedeten.

Honigsammler
Honigsammler

Zu guter Letzt haben wir dann doch noch die Loophöhle gefunden, aber so spannend wie gedacht, war sie nicht. Eben eine dunkle, mit Wasser gefüllte Höhle, durch die man sich an Seilen entlang gehangelt hat, aber die schönere und beeindruckendere Höhle war eindeutig die erste, zumal wir die Loophöhle mit gröhlenden Touristen teilen mussten.

Umgebung von Vangvieng
Umgebung von Vangvieng

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